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Leuchtende Nachtwolken



... (englisch: noctilucent clouds; abgekürzt: NLCs) bilden sich über der arktisnahen Mesosphäre, und zwar in etwa 80 km Höhe. Sie schweben sehr viel höher als normale Troposphärenwolken und können daher noch in der späteren Dämmerung von der Sonne angestrahlt werden - wenn sich normale Wolken nur mehr als dunkle Schattenrisse vom tiefblauen Firmament abheben. Hier finden Sie einen Artikel über NLCs.

NLCs fotografiert 1986 in Dunbar, Schottland

Diese feinen Gebilde, die in der Form an Cirruswolken erinnern, sind immer häufiger auch in unseren Breiten zu sehen - vor allem in den Monaten Juni und Juli. Dann stellen sich in der Mesosphäre paradoxerweise die kältesten Bedingungen ein!

Da man solche Erscheinungen offenbar nicht vor 1885 wahrnahm, wird eine vom Menschen gemachte Komponente vermutet: Die nachtleuchtenden Wolken wären somit eine Folge industrieller Prozesse, vor allem des Treibhauseffekts. Denn die globale Erwärmung wirkt sich in der Mesosphäre nachweislich umgekehrt aus, führt dort oben zur Abkühlung.

Zudem spielt Methan hier die Hauptrolle als Wasserlieferant. Und zwei von drei Methanmolekülen entstehen heute schon durch menschliche Aktivitäten (Industrie, Landwirtschaft). Der NASA-Satellit AIM untersucht die Wolken seit 2007 vom Orbit aus.

NLCs
Wien
2007

Die NASA hat ein Musikvideo zum Thema NLCs erstellt. Der englische Text des a-cappella-Gesangs ist durchaus witzig - und stellt auch die Frage, ob diese Gebilde "mit unserem künftigen Schicksal verbunden" sind.


 

Weitere Beobachtungstipps

Rund um den Sommerbeginn stellen sich günstige Beleuchtungsbedingungen in der Osthälfte Österreichs vor allem zwischen 22 und 23 sowie zwischen 3 und 4 Uhr MESZ ein. Ende Juli wird man abends eine halbe Stunde früher, morgens eine halbe Stunde später Ausschau halten.

NLCs setzen sich übrigens auch am aufgehellten Stadthimmel in Szene. Allerdings braucht man einen völlig freien Blick zum mathematischen Horizont hinab. Zielrichtung ist Nordnordwest bis Nordnordost. Es genügt oft, zumindest eine kleinere, unverbaute Lücke in diesem Abschnitt zu finden.

Schnappschuss: NLC am 12. Juli 2009, Wien, Blickrichtung Nordnordwest

Die allermeisten von Wien aus im Nordnordwesten sichtbaren NLCs schweben über Deutschland, solche im Norden oder Nordnordosten über Polen. Um sie über der Ostsee zu sehen, dürften sie nur vier Grad, über der Nordsee gar nur drei Grad über dem Horizont hängen. Und da sind sie wahrscheinlich schon im Horizontdunst verschwunden. Der lange Weg durch die Erdatmosphäre vermag NLCs in geringer Höhe einen Gelbton verleihen, obwohl die Gebilde selbst aufgrund der Vorwärtsstreuung des Sonnenlichts an den extrem winzigen Eisteilchen silbrige Tönung besitzen.


Skizze: Normale Troposphärenwolken empfangen in der späteren Dämmerung
kein Sonnenlicht mehr. Anders die viel höheren NLCs.


Höhenwinkel wie der Genannte lassen sich leicht abschätzen, wenn man die Unterkante der Faust bei völlig durchgestrecktem Arm genau in Augenhöhe bringt (hier liegt der mathematische Horizont). Die Oberkante der Faust erscheint dann grob 10 Grad hoch. Mit einem Skript von Alexander Wünsche ermitteln Sie dann sogar die Entfernung einer beobachteten NLC (Eingabe z.B. für Wien: Breite 48.2, Länge 16.4; Zeitzone +1; Sommerzeit: ankreuzen).

Ein weiteres Skript erlaubt es, die aktuelle Sonnentiefe zu bestimmen. Mir gelangen die besten Sichtungen bislang bei Sonnentiefen von etwa 10 bis 12 Graden.

Sterne schimmern durch die feinen Gebilde hindurch; vor allem die helle Capella im Fuhrmann fällt dabei auf. Da die Wolken nur eine sehr geringe vertikale Ausdehnung besitzen, gilt: Was höher am Himmel zu stehen scheint, ist uns näher! Wolken in zehn Winkelgraden Höhe wären etwa 420 km von Wien entfernt. Bei ihnen erreicht das freie Auge eine Auflösung von 250 Metern in der Horizontalen; in der Vertikalen ist es bloß ein Kilometer. Das Fernglas steigert die Auflösung grob um den Faktor sechs.



Eingefleischte Beobachter schätzen die Wolkenhelligkeit in einer fünfstufigen Skala und halten auch die aktuelle Wolkenform fest: Es gibt strukturarme Schleier, parallele Bänder oder Wellen, die an Fischgräten bzw. Sandrippeln erinnern, und schließlich wirbelige Formen. Anders als gewöhnliche Cirren zeigen NLCs selbst im Fernglas noch klare Details.

Beim Blick durch das Polarisationsfilter einer Kamera treten sie deutlicher hervor. Übrigens sind NLCs leicht zu fotografieren: Man braucht bloß eine Kamera, die Belichtungszeiten von mehreren Sekunden zulässt, und ein Stativ. Um Erschütterungen zu vermeiden, nutzen Sie die Selbstauslöserfunktion.

Am Tag nach einer erfolgreichen Sichtung könnten sich noch günstige Bedingungen einstellen. Das zeigen die Meldungen aus dem Jahr 2009, die vom 12, 13. und 16. Juni, sowie vom 12., 13., 14., 19. und 21. Juli stammen. Die NLC-Saison 2010 blieb aus österreichischer Sicht wider Erwarten enttäuschend. 2011 sah Wolfgang Vollmann die ersten Wiener NLCs am 15. Juni, und zwar während der totalen Mondfinsternis!

Beobachtungsberichte finden Sie beim NLCNET (Zeiten in UT; addieren Sie zwei Stunden). Wiener Berichte liest man auch bei der WAA.
 

Und noch ein paar Adressen

Das NLC-Fotoarchiv des Arbeitskreises Meteore macht Sie mit dem Anblick der Wolken vertraut. Ein ausführliches englischsprachiges Handbuch der International Association of Geomagnetism and Aeronomy gibt Tipps zur systematischen Betrachtung und wartet ebenfalls mit Beispielfotos auf. Eine ganz rasche Übersicht über die Grundformen der NLCs gibt es hingegen hier. Und hier geht es zur Website von Karl Kaiser, dem erfahrensten österreichischen NLC-Beobachter.



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