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Galilei und die Venus

In Galileis Fernrohr erschien sie im August 1610 rundlich. Später magerte sie aber immer mehr ab, zerrann zu einer schmalen Lichtsichel. Gleichzeitig geriet der Längsmesser dieser Sichel immer größer. Offenbar hielt Venus auf die Erde zu.

"Die Mutter der Liebe", so schrieb Galilei an Kepler, "ahmt die Gestalten Cynthias nach".

Cynthia war ein Beiname der alten griechischen Mondgöttin. Kepler wusste damit sofort, was Galilei meinte: Die Venus, das Gestirn der antiken Liebesgöttin, zeigt ähnliche Lichtphasen wie der Mond - wenngleich in umgkehrter Reihenfolge.

Zumindest im alten, erdzentrierten Weltbild des Ptolemäus war ein komplettes Phasenspiel der Venus aber nicht möglich. Damit es eintreten konnte, musste die Venus aus unserem Blickwinkel zeitweise links, dann praktisch vor, rechts und dann wiederum de facto hinter der Sonne stehen. Sie musste die Sonne also umkreisen.

Für Galilei bildeten die Lichtgestalten daher den Beweis für die Richtigkeit der kopernikanischen Lehre, bei der ja alle Planeten die Sonne umrundeten - auch die Erde. Entsprechend begeistert war er über diesen Fund. Allerdings fanden die Gegner des Kopernikus rasch Ausflüchte. Der Sonnentanz, so warfen sie z.B. ein, würde bloß für die Venus gelten; alle anderen Planeten verblieben ihrer Meinung nach auf stetem Kurs um die Erde.

Die Venus als Schwesterplanet der Erde

Unser Nachbarplanet Venus ist fast genauso groß wie die Erde, doch damit erschöpfen sich die Ähnlichkeiten auch schon.


Die NASA-Sonde Magellan tastete die Venus mit Radarwellen ab.

Unsere planetare Schwester hat ihre Klimakatastrophe schon erlitten; ihr Antlitz glüht mit 460 Grad Celsius. Der extreme Treibhauseffekt wird von der vor allem aus Kohlendioxid geformten Atmosphäre bedingt. Die drückt dort gut 90 mal stärker auf die Planetenoberfläche als unsere Lufthülle auf den Erdboden.

Vor einigen Milliarden Jahren mögen auf Venus gemütlichere Bedingungen geherrscht haben. Vielleicht kannte sie damals sogar Ozeane. Heute ist der Boden ein Meer aus erstarrter Lava, wie Radar-Abtastungen zeigten. Jüngst fand man per Infrarot einen offenbar recht jungen Lavastrom. Derzeit aktive Vulkane wurden bislang nicht entdeckt; sie sind aber nicht ausgeschlossen.



Die Venus selbst beobachten

Menschen verehrten die helle Venus unter den verschiedensten Namen. Bei den Babyloniern hieß sie Ischtar, bei den Griechen Aphrodite. Diese verwoben die Schöne außerdem mit dem Kupfer, weshalb man ihr auf der kupferreichen Insel Zypern besonders huldigte.

Unser heutiger Name geht auf die Römer zurück, die der Venus den Freitag widmeten. Im Italienischen verrät dies die Wortähnlichkeit noch: la venere, il venerdi.

Jetzt wie damals, als Galilei das Fernrohr zum Himmel richtete, spielt die Venus Abendstern. Als hellster Lichtpunkt am Dämmerungshimmel ist sie nicht zu verwechseln. Die Wolkendecke, in die sich dieser Himmelskörper hüllt, ist im sichtbaren Licht undurchdringlich. Wir werden also selbst im besten Teleskop keine Oberflächendetails ausmachen. Manche Beobachter haben aber matte Schattierungen in der Wolkenschicht erspäht. Im wesentlichen bleibt uns nicht viel, als die Venusphasen und den sich damit wandelnden Durchmesser dieses Planeten zu studieren.

Die Venus läuft in den folgenden Monaten durch die Fische, den Widder und den Stier. Am 12. März zieht am langsameren Jupiter vorbei, gegen Ende dieses Monats ist sie gerade zur Hälfte beleuchtet (Grafik links) - wie der Blick durchs Fernrohr beweist.

Sie wird nun zunehmend schlanker und größer. Am 26. März ist der junge Mond zu Gast.

 

Am 3. April finden wir die Venus genau im Sternhaufen der Plejaden - ein hübsches Motiv im Fernglas und ein Leckerbissen für Himmelsfotografen.

Rechts: Die Venus jeweils um 21 Uhr MESZ am angegebenen Aprildatum. Der Kreis markiert ein typisches Fernglasgesichtsfeld.
Am 6. Mai weilt sie nahe des Sterns Beta Tauri, der das nördliche Horn des Stiers markiert.

Dort etwa kehrt sie ihren scheinbaren Lauf am Himmel um und eilt dann auf die Sonne zu. Sichtbar bleibt die Venus abends bis etwa zum 30. Mai. Dann wechselt sie an den Morgenhimmel, wo wir sie ab dem 17. Juni beobachten können. Sie wird in den danach folgenden Monaten wieder dicker, aber auch kleiner geraten, weil sie sich dann neuerlich von der Erde entfernt.

Wie geht es Ihnen mit der Liebesgöttin ? Können Sie die Venus bei ihren Stelldicheins mit anderen Planeten und hellen Sternen beobachten ? Wie gut machen Sie die Lichtphasen im Teleskop aus ? Gelingt Ihnen das auch mit dem Fernglas ?


Folgenreiche Erkenntnisse

Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der Galileischen Beobachtungen ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.