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Galilei und der Planet Jupiter

Der erste Planet, den Galilei mit seinem verbesserten Teleskop ordentlich beobachten konnte, war der Jupiter. Er gleißte im Winter 1609/10 im Sternbild Stier. Galilei durfte seinen Anblick mit dem anderer heller Sterne im Himmelsstier oder im Orion vergleichen. Fixsterne wären "etwas Glänzendes, das ringsum Strahlen aussendet und funkelt", schrieb er im Sternenboten. Sie erschienen im wesentlichen punktförmig, wenngleich von starkem Schimmer umgeben: "Der Gesichtswinkel wird nicht von dem eigentlichen Körperchen des Sterns bestimmt, sondern von dem Glanz, der es breit umgibt".



Jupiter in Galileis Sehglas

Hingegen sah er Jupiter als kleine Kugel, "vollkommen rund und wie mit dem Zirkel gezogen". Sein Anblick erinnerte an eine verkleinerte Version unseres Vollmonds. Tatsächlich muss Galilei selbst mit seinem stärksten Teleskop den Jupiter immer noch etwas kleiner erblickt haben als den Mond mit freiem Auge.

Mit seinem nur 30-fach vergrößernden Sehglas war es ihm auch nicht möglich, irgendwelche Details auf dem Planetenscheibchen zu erkennen. Selbst die starke Abplattung des Jupiter entging ihm: Der raschen Rotation von knapp zehn Stunden wegen ist der Äquatordurchmesser um sieben Prozent größer als der Poldurchmesser. Wer weiß: Vielleicht nahm Galilei dieses Phänomen zwar wahr, interpretierte es aber als optischen Fehler seines Teleskops.


Jupiter im kleinen Fernrohr

Bei den Babyloniern, den Griechen und den Römern repräsentierte dieses Gestirn die höchstrangigen Gottheiten Marduk, Zeus bzw. Jupiter. Darauf spielte Galilei an, als er diesen Planeten in seinem Sternenboten als das "edelste" aller Gestirne bezeichnete.

Tatsächlich ist Jupiter nach der Sonne der mächtigste Himmelskörper im ganzen Sonnensystem. Im Durchmesser übertrifft er die Erde elfmal, an Masse gleich um das 318-fache. Würde man ihn zerlegen, könnte man die anderen Planeten mit seiner Materie noch ein zweites und ein drittes Mal erschaffen.

Übrigens: Die erste Bestimmung der Rotationszeit Jupiters gelang Giovanni Cassini ab 1663 in Bologna, als er mit einem 1,5 Meter langen Teleskop des römischen Instrumentenbauers Giuseppe Campani Flecken auf dem Planeten erspähte. Cassinis kam auf 9 Stunden 50 Minuten. Tatsächlich dauert ein Tag auf Jupiter nur sechs Minuten länger. Später, in Paris, erkannte Cassini auch die abgeplattete Form der Jupiterkugel.

Jupiter selbst beobachten

Jupiter gleißt am Himmel. Kein anderer himmlischer Lichtpunkt ist derart hell. Schon mit freiem Auge fällt der farblose, überaus ruhige Glanz Jupiters auf. Das Fernglas lässt seine Scheibchenform erkennen


Jupiter im Amateurteleskop

Im Amateurfernrohr wird die Abplattung deutlich. Es zeigt außerdem Details, bei denen es sich allerdings nicht um Phänomene der Jupiteroberfläche, sondern um atmosphärische Strukturen handelt - um Wolkenbänder, die parallel zum Äquator liegen.

Man erkennt ein Spiel aus dunkleren Bändern und helleren Zonen. Prominent sind normalerweise die beiden Bänder beiderseits des Äquators und die beiden ebenfalls dunkleren Polargebiete. Das südliche Äquatorialband verschwand Anfang 2010, um sich dann langsam wieder zu regenerieren.

Je nach Fernrohrleistung macht man in den Bändern Einzelheiten aus, sieht zusätzliche Bänder oder den berühmten Großen Roten Fleck (GRF). Das ist ein wohl seit dem 17. Jahrhundert beobachtetes Wirbelsturmgebiet im südlichen Äquatorialband Jupiters. Als Entdecker gelten der Engländer Robert Hooke und der Italiener Giovanni Cassini. Da das südliche Band momentan noch blass ist, sollte der GRF besonders klar hervortreten. In seiner Ost-West-Ausdehnung ist er etwa zwei, in der Nord-Süd-Ausdehnung rund einen Erddurchmesser groß.

Die aktuellen Transitzeiten finden Sie hier. Dann rotiert der Fleck genau durch die Mitte des Planetenscheibchens (wie auf der Grafik oben und dem Foto unten). Das günstigste Zeitintervall für Beobachtungen beginnt jeweils eine Dreiviertelstunde vor dem Transit und endet eine Dreiviertelstunde danach.

Allerdings sind alle Details auf Jupiter ziemlich blass. Sie treten nicht so kontrastreich hervor, wie auf obiger Grafik. Ihr Anblick ähnelt eher dem Foto rechts, speziell dann, wenn Sie dieses aus ein paar Metern Abstand betrachten. Ein Blau- oder ein Grünfilter steigert den Kontrast.

Eine sehr gute Anleitung zum Studium Jupiters im Teleskop finden Sie in Günter D. Roths Buch Planeten beobachten.

Ab welcher Vergrößerung erkennen Sie den abgeplatteten Umriss Jupiters? Fallen Ihnen Wolkenbänder beiderseits des Äquators auf, oder nur im Norden? Machen sich die dunkleren Polgebiete bemerkbar? Erspähen Sie den Großen Roten Fleck oder weitere Details innerhalb des Wolkenbands bzw. der Wolkenbänder? Sehen Sie im größeren Teleskop nicht bloß Grautöne, sondern auch Farbnuancierungen?

Folgenreiche Erkenntnisse

Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der Galileischen Beobachtungen ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.