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Galilei, Sternhaufen und der Orion

Fernrohre sind wie Trichter - sie sammeln mehr Licht ein als das freie Auge. Die menschliche Pupille misst, an die Dunkelheit angepasst, etwa 6 mm. Der genaue Wert ist altersabhängig.

Ein Fernglas mit der Aufschrift "8x30" vergrößert achtfach und besitzt eine Öffnung von 30 mm. Sein Durchmesser ist also 5 mal so weit wie jener der Pupille. Und weil die Lichtsammelleistung bei punktförmigen Objekten mit der Fläche des Objektivs wächst, trichert schon dieses kleine Gerät 25 (also 5 x 5) mal mehr Photonen ein als das unbewaffnete Auge.

Ein Linsenteleskop von 60 mm Öffnung bringt den 100fachen, ein Spiegelteleskop von 200 cm den 1000fachen Lichtgewinn! Entsprechend steigt die Zahl der sichtbaren Sternchen.

 

Die Plejaden

In der Antike erblickte man das Siebengestirn im Sternbild Stier meist als dicht gedrängte Ansammlung von einem halben Dutzend Sternchen. Das enge Grüppchen galt in vielen Kulturen als wichtiges Kalendergestirn.

Die lichtsammelnde Leistung von Galileis Teleskop machte Sterne erkennbar, die unter der Sichtbarkeitsgrenze des freien Auges lagen. Deshalb sah Galilei die Plejaden anders, als je ein Mensch zuvor. Er sprach in seinem rasch publizierten Büchlein "Sternenbote" von einer Sterngruppe, die "in sehr engen Grenzen am Himmel eingeschlossen" sei.

"In ihrer Nähe sind mehr als vierzig weitere, unsichtbare gelegen", wobei sich keiner mehr als einen Vollmonddurchmesser von den vertrauten sechs hellsten entferne. 36 davon habe er in eine kleine Karte eingezeichnet, schrieb Galilei 1610.

Sie können das Siebengestirn, den wohl prächtigsten aller Offenen Sternhaufen (Artikel), selbst anvisieren: Wieviele Sternchen sehen sie fern der Stadt mit freiem Auge , mit einem Fernglas bzw. im kleinen Fernrohr ?

 

Die Krippe

Schon in der Antike war man über kleine Nebelflecken am Sternenhimmel gestoßen, die den alten Astronomen diffus und sternlos erschienen waren. Galilei sah darin mit seinem Teleskop jedoch "Haufen kleiner, außerordentlich dicht gedrängter Sterne." Nur weil jeder einzelne von ihnen zu klein oder zu weit entfernt wäre, entzögen sie sich alle dem Auge.

Erst die Vermischung ihrer gemeinsamen Strahlen ließe jenen Glanz entstehen, den man als Nebel, als scheinbar "dichteren Teil des Himmels" interpretierte. Einer dieser Nebel, so fuhr Galilei im Sternenboten fort, sei die sogenannte Krippe im Sternbild Krebs.

Dieser Nebel wäre sogar "eine Ansammlung von mehr als vierzig Sternchen". Auch hier trug Galilei 36 Sterne in sein Beobachtungsbuch ein.

Erahnen Sie den Nebelfleck mit freiem Auge (fern der Stadt) ? Wieviele Krippensterne machen Sie im Fernglas oder kleinen Teleskop in diesem Offenen Sternhaufen aus ? Wie verhält es sich damit in der Stadt, wie am Land ?

Der Orion

Zunächst wollte Galilei das ganze Sternbild des Orion zeichnen. Doch das Fernrohrgesichtsfeld zeigte immer nur einen engen Ausschnitt. Es war äußerst mühsam, nacheinander Bildfeld an Bildfeld zu reihen. Galilei war überwältigt von der "ungeheuren Menge der Sterne", die er auf 500 schätzte, und verschob das Projekt aus Zeitmangel.

Stattdessen widmete er sich bloß dem Gürtel des Orion, der von altersher aus drei sichtbaren Sternen bestand, und arbeitete sich von dort zu den sechs Sternen in Orions Schwert vor. Dabei trug er insgesamt 80 Lichtpünktchen in seine Karte ein.

Der Orionnebel, später M42 genannt, scheint Galilei entgangen zu sein. Im Kernbereich funkelt der Vierfachstern Theta Orionis.

Wieviele Sterne erkennen Sie im Gürtel und im Schwert des Orion mit freiem Auge, wieviele zeigt das Teleskop ? Lässt sich der Nebel im Schwert des Orion ähnlich der Krippe in ein Meer von Sternen auflösen, oder bleibt ein unauflösbarer, diffus schimmernder Lichtflecken zurück ? Hier ein Artikel über das Sternbild Orion.


Folgenreiche Erkenntnisse

Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der Galileischen Beobachtungen ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.